Jul26th

Der Montag danach.

Unsere Eltern bringen uns bei, wie man im Bus in dem Moment das Knöpfchen drückt, in dem man weiß, dass man aussteigen möchte. Wir sehen sie mit großen Augen an und denken, sie hätten uns die Welt in 30 Sekunden erklärt.

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Doch wir wachsen auf und haben andere Mentoren. Für die einen ist es vielleicht Kunst, die ihnen zeigt, wie schnell ihr Herz schlägt. Vergänglich, wie ein Pinselstrich von vielen, aber standhaft wie eine Skulptur, die Jahrhunderte überlebt.

Bei uns ist es die Musik, die uns hilft. In herzzerreißenden Momenten flickt der Beat die Wunden eines Erlebnisses, im nächsten lässt die Stimme mit den wohlklingenden Worten die Narben verheilen. Jahre später, während wir in Bars sitzen, nachts mal arbeiten, im Auto in die nächste Stadt fahren oder während wir mit wildfremden Menschen zusammen in einer für uns wildfremden Stadt zu bekannten Platten tanzen wollen, werden wir an vergangenes erinnert. Momente verstreichen.

Kein Lied, das es jemals geben wird, wird mir die Freude auf solche Momente und Erinnerungen wiedergeben können, die ich am Samstag, am Tag der Loveparade in Duisburg gelassen habe.

Schreie und aufgerissene Augen beissen sich durch mein Herz und lassen meine Stimme ihren Halt verlieren, wenn man mich an diesem Montag Morgen fragt, wie es mir geht und ob ich dort war.

Aufstehen, sich motivieren zur Arbeit zu gehen, fällt schwer, gerade wenn man seine Arbeit liebt. Bis zum Bahnhof zu laufen um in die Bahn einzusteigen wird zu einer traurigen Angelegenheit, da ich nicht dazu in der Lage bin auch nur einen Moment die Kopfhörer meines iPods in meine Ohren zu schieben. Die Fahrt zum nächsten Bahnhof, um dort in den Bus einzusteigen, erinnert an die Nacht, in der wir versuchten, heim zu kommen.

Ich habe heimweh. Will mich an meine Familie drücken und irgendwas tun.

Doch ich habe in Duisburg auch etwas gewonnen: Das Leben meiner Lieben noch mehr zu schätzen und in schweren Zeiten Courage zu zeigen, anders als die Verantwortlichen gestern bei der so genannten Pressekonferenz. Andere zu respektieren und genau hinzuhören, wenn sie ihre Meinung sagen, anders als die für mich ganz schwer gestörte Eva Hermann, die anscheinend bei ihrer Geburt jegliche Gefühlsstränge rausoperiert bekommen hat.

Wenn wir alle jeden Tag wüssten, was uns erwarten würde, wären wir keine Menschen, sondern perfekte Wesen, die ihre Zukunft voraussagen könnten. Aber wenn sie diese Gabe hat, bitte! Dann soll sie sich Nostra-Hermann nennen und ihre eigenen Centurien verfassen.

Egal.

Unbekümmert durchs Leben zu gehen ist kein Wunsch mehr, sondern ein Luxus, den ich mir beizeiten irgendwann wieder erlauben möchte, wenn die Wunden heilen und nur noch bestimmte Momente daran erinnern, wie wir dem Tod entronnen sind. Bis dahin versuche ich erneut, wieder im Alltag anzukommen. und für die Verbliebenen zu beten.

Abschlussworte finde ich nicht. Es ist ja auch kein Schluss, sondern eine weitere Abzweigung im Leben, die man eben ungeplant nehmen muss.

Sam Subotic

Jul25th

Eine Ära geht zu Ende.

Es ist vorbei. Es wird keine Loveparade mehr geben.

Die Pressekonferenz? Eine Farce.

Lügen. Viele Lügen, Ungereimtheiten, unmenschliche Aussagen.

Ich weiß nicht mehr, was ich zu solchen dämlichen (sorry) Aussagen noch berichten soll.

Ich bete dafür, dass die Verantwortlichen gefunden und richtig bestraft werden!

Jul25th

Wir trauern. Loveparade 2010 in Duisburg.

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Hier geht es zum Loveparade Hilfeportal auf Facebook. Ich stehe unter Schock und kann nichts mehr dazu sagen, außer dass wir Gäste der Loveparade einfach versucht haben unser Leben zu retten. Hoffentlich werden die richtigen zur Rechenschaft gezogen.

Herr Schreckenberg, Sie gehören zu den Verantwortlichen und haben absolut keine Ahnung. Wenn ich höre, was SIE sagen, wird mir schlecht. Unverschämt! Ihre Worte zu diese Vorfällen sind eine Farce. Herzlos und unpassend.

Jul25th

Ich bin geschockt. Ich kann nicht mehr.

Ich kann es wirklich nicht fassen. Was ich heute erlebt habe, was ich gesehen habe… Es ist ein schreckliches Erlebnis gewesen.

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Wir waren heute auf der Loveparade in Duisburg. Es war eine Farce – wir wurden zusammengefächert und durften nicht vor und nicht zurück. Es gab keine Notfallwege, die Menschen wurden zu allen Seiten weggedrückt damit ein Krankenwagen durchfahren konnte. Dazu kommen natürlich die ganzen asozialen (entschuldigt bitte den Ausdruck) Idioten, die einfach noch mehr drückten und mit den Ellenbogen Frauen in die Rippen schlugen damit sie vorbei kommen konnten.

Mein Freund und ich kamen bis zu dem Horrorplatz, an dem später die Massenpanik ausgebrochen war – als wir aber sahen, dass die Leute, Polizisten und Sanitäter außer Kontrolle gerieten, haben wir das Gelände auf schnellstem Wege verlassen und sind in Ruhe Richtung Hafen gegangen. Es bringt nichts – so sehr man die Floats und die DJs sehen möchte – mir ist mein Leben wichtig. Ich liebe Musik und sie hat mein Leben erweitert – aber deswegen werde ich es nicht aufs Spiel setzen um ein paar DJs zu sehen.

Ein paar Duisburger haben uns bestätigt, dass der Platz für ca. 300.000 Menschen ausgelegt war – und wie viele sind gekommen? 1,5 Millionen! EINS KOMMA SECHS MILLIONEN MENSCHEN.

Und 19 davon kommen nie wieder nach Hause zurück.

Viele wollten unbeschwert feiern, ihren Lieblings DJ sehen. Tanzen und andere Leute kennenlernen.

Und nun sind wir zu Hause und können es nicht fassen.

Wir hatten Karten für die 1Live Rocker und Freunde Party – wir sind dort hin gefahren, doch es herrschte bei 80% der Leute eine traurige und traumatische Stimmung. Der Rest war betrunken und bekam nichts mehr mit.

Wir sind daraufhin gegangen – es erschien makaber, zu tanzen, zu feiern. Mir war das Geld für den Eintritt egal – ich wollte nur nach Hause.

Ich bin froh, dass uns nichts passiert ist. Wir hatten einen großen Schutzengel, und in diesen Stunden merkt man mehrere Dinge:

1. Wer wirklich die wahren Freunde sind
2. Wie wichtig es ist, eine Familie zu haben
3. Wie schön es ist, wenn man dazu in der Lage ist, auch ohne Drogen Spaß zu haben (denn die Musik ist meine Droge)

und vor allem:

4. wie wichtig das Leben ist.

Heute habe ich eins gelernt: Dass ich mein Leben nie wieder Menschen anvertraue, die von der Materie keine Ahnung haben. Aufgrund von einer grottigen Organisation wurden an diesem Tag Familien zerstört. Es wurden Freunde genommen. Die Bilder der Leichen, wie sie notdürftig mit einem weißen Laken verdeckt worden sind, bekommt man nicht mehr aus dem Kopf.

Ich bin so unendlich traurig. Geschockt, fassungslos.

Mein Respekt für Fedde le Grande und David Guetta, die sich geweigert haben, weiterhin aufzulegen. Tut mir leid, ich hätte sie auch gern gesehen – aber wie soll man als DJ die Massen zufrieden stellen, wenn gerade 18 Menschen (und wer weiß wie viele mehr) gestorben sind?

Könntet ihr das?

Ich jedenfalls nicht. Es war die richtige Entscheidung. Ich weiß nicht, wie ich das verarbeiten kann, was ich dort heute gesehen habe. Gefühlt habe.

Überlegt Euch gut, was ihr mit eurem Leben anfangen wollt – ich werde es nicht mehr für unschöne Augenblicke verschwenden, sondern versuchen, es mit meiner Familie und meinen Freunden zu genießen.

Ich bin so durcheinander und… Entschuldigt bitte alle Fehler in diesem Post, aber ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.

Ich trauere mit. Ohne Worte.

Jul23rd

Descendants – animierter Kurzfilm

UNBEDINGT ansehen!

Ich kann im Moment noch gar nicht richtig sagen, was mich an diesem Film begeistert hat. Angefangen bei der Animation bis hin zu den Gedankenspielen, die sich auch im täglichen Leben wiederfinden.

Descendants from Goro Fujita on Vimeo.

“Descendants” is a 14 minute animated short about the wish of attaining the unattainable and about the fact that something good can evolve from something evil.

The two main characters are flowers (voiced by Whoopi Goldberg and Christy Scott Cashman) who grow on the edge of a clearing next to one another.
One is old and jaded by a mysterious history – the other one still young, vivid and curious. Destiny has brought these two together and it seems as if they would exist without possibility for change, until one day a visitor to the clearing brings something unexpected to their lives.

This short film started as a diploma project by Heiko van der Scherm and Holger Schoenberger at the Institute of Animation (part of the Filmakademie Baden-Württemberg).

Offizielle Seite

Video gefunden via denkfabrikblog

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